June 1998
Amazon verkauft Musik online
An diesem eher unbedeutenden Tag im Jahr 1998 änderte sich die Welt ein wenig für immer. Jeff Bezos beschloss mit seiner kleinen Website, auf der er Bücher über das Internet verkaufte, es mit den Giganten wie CDNow und Music Boulevard aufzunehmen, in dem er begann, Musik über das Internet zu verkaufen.
May 1999
Die Geburt von Napster
Der Download-Service «Napster», versorgte allein im Jahr 2000 geschätzte 100 Millionen Nutzer mit kostenloser Musik. Damit wurde das Ende der traditionellen Musikformate markiert. Der Aufstieg der File-Sharing-Website hatte einen erschütternden Einfluss auf die Musik- und Digitalindustrie. Trotz Klagen wegen Urheberrechtsverletzungen, jedoch kann gesagt werden, dass der Aufstieg von Napster und des Internets insgesamt eine Plattform bildete, die plötzlich einen einfachen Zugang zu ehemals teuren Methoden der Musikbeschaffung ermöglichte. Die Musikindustrie war nicht in der Lage, den Giganten des Musikdownloads zu bezwingen, also musste sie sich anpassen. Das Ergebnis: Live-Auftritte lösten den Plattenverkauf als Haupteinnahmequelle ab.
October 2001
der erste iPod von Apple
Jede Ära der Musikgeschichte hat ihre eigene Technologie, die die Art und Weise, wie Menschen Musik hören, veränderte. Dieses Mal war es der iPod, der erste tragbare MP3-Player von Apple, der zum Mainstream wurde. Der iPod jenes Jahres nutzte ein Scrollrad, um auf die damals riesige Sammlung von Musikdateien (5-Gigabyte und 10-Gigabyte) zuzugreifen. Das Gerät machte digitale Musik um einiges populärer als CDs. Und es war ein Hauptgrund für den späteren Rückgang der CD-Verkäufe. Die Leute wollten die kleinstmöglichen Gadgets. Steve Jobs und Apple Inc. steckten im Grunde die Welt in jedermanns Tasche.
April 2003
Music Store «iTunes» von Apple
Mit mehr als 200'000 Titeln aus allen Bereichen der Musik startete das Projekt von Apple. Dies ist das Apple Pendent zu Spotify und stellte durch das DRM-System FairPlay sicher, dass sich die Musik, abgesehen von selbstgebrannten CDs, nur mit iTunes, Apple TV, dem iPhone und allen iPods abspielen lässt. So wurde der iTunes Music Store von Apple auch als Marketingplattform für den iPod und auch die eigenen Computer verwendet.
October 2008
Spotify erscheint in den USA
Sein Debüt in den USA feierte der schwedische Dienst «Spotify» im Juli 2008. Der Streaming-Dienst entwickelte sich zu einem der beliebtesten Musikplattformen. Bis Ende 2019 zog der Dienst weltweit 248 Millionen Nutzer an.
November 2010
Beatles-Katalog auf iTunes
Die Beatles kamen endlich im mp3-Zeitalter an, als sie ihren Musikkatalog, unter anderem aufgrund von Namensstreitigkeiten mit ihrem Multimedia-Unternehmen, auf iTunes stellten. Nach dem sie sich lange Zeit von Apple ferngehalten hatten, verkaufte die Gruppe bei ihrem iTunes-Debüt innerhalb der ersten Woche 2 Millionen Songs und fast eine halbe Million Alben. Damit bestätigten sie die Unvermeidlichkeit, dass alle grossen Künstler des Vinylzeitalters irgendwann auf das digitale Medium umsteigen würden. Es dauerte jedoch nochmals ein halbes Jahrzehnt, bis die Beatles auch auf Spotify zu hören waren.
July 2012
Gangnam Style
Es gibt populäre und es gibt virale Hits. Und dann gibt es noch allgegenwärtige Hits wie Psy’s «Gangnam Style», der hunderte von Millionen Menschen mit der koreanischen Popmusikszene über ein Musikvideo und einen globalen Tanzwahn vertraut machte. Am 21. Dezember 2012 wurde das Musikvideo, das erste YouTube-Video, das eine Milliarde Aufrufe erreichte. Die weltweite Popularität des Videos war eine Fallstudie für die Macht und Unberechenbarkeit von viralen Internetinhalten.
March 2013
Let's do the «Harlem Shake»
Um den Prozentsatz des nationalen Musikkonsums durch YouTube nicht zu vernachlässigen, kündigte Billboard an, dass sie ihre Charts-Formulierungen ändern würden, um die YouTube-Streaming-Zahlen zu berücksichtigen. Die Auswirkung auf die Charts war unmittelbar und seismisch: «Harlem Shake», zuvor ein unbedeutender Underground-Dance-Hit von DJ Baauer aus Brooklyn, sprang auf Platz 1 der Charts. Dies dank einem viralen Video-Meme, zu welchem der Hit den Soundtrack lieferte. Der Song war damit beliebtester Song des Landes, obwohl die meisten Top-40-Sender noch nichts von seiner Existenz wussten. Das Radio konkurrierte ab diesem Punkt mit dem Internet als wichtigster Motor für Popstars.
November 2013
Disney's «Let It Go»
Soundtrack-Verkäufe waren zu diesem Zeitpunkt nach den Worten von Musikmanagern grösstenteils «eine vergangene Ära». Der Soundtrack zu Disney’s Animationsfilm «Frozen» schaffte es alle Erwartungen zu übertreffen. Innerhalb weniger Monate erzielte der Soundtrack mehr als eine Million Albumverkäufe und Hunderte Millionen Streams, ganz zu schweigen von einem Oscar-Gewinn für den Titelsong «Let It Go».
May 2014
Apple erwirbt Beats Music
Die Marke «Beats» war zum Synonym für Kopfhörer geworden als Dr. Dre und Jimmy Lovine, Mitgründer von Interscope, an der Spitze des neuen Audiotrends standen. Die Welt wusste, dass Steve Jobs Unternehmen etwas Grosses vorhatte, als Apple Beats Electronics und den damals aufstrebenden Streaming-Dienst «Beats Music» für drei Milliarden US-Dollar kaufte. Die Übernahme von Dr. Dre und Lovine schlug in der gesamten Musiklandschaft hohe Wellen. Mit dem Deal wurde der Weg geebnet für den späteren Start von «Apple Music», das sich seither zum zweitgrössten Streaming-Dienst, hinter Spotify, der Welt entwickelt hat.
September 2014
U2's Albumveröffentlichung geht schief
Das Album «Songs of Innocence» der Rockgötter U2 wurde auf eine äusserst zukunftsweisende Weise veröffentlicht. Die Band ging eine Partnerschaft mit Apple ein, wobei das Album auf dem neuen iPhone 6 vorinstalliert war und so den Käufern geschenkt wurde. Obwohl die Aktion als Geschenk gedacht war, wurde sie von Kunden als Invasion empfunden, die das Album vielleicht gar nicht haben wollten und es überraschend schwer fanden, es von ihren neuen Telefonen zu löschen. Die Gefahren einer Einbettung von Musik in die Technologie wurden durch diese fehlgeschlagene Strategie aufgezeigt.
November 2014
Taylor Swift im Streit mit Musik-Streaming
Als Protest gegen das kostenlose Angebot der Streaming-Dienste, zog Taylor Swift abrupt ihren gesamten Katalog von Spotify ab. Sie schrieb eine Botschaft an die Welt: «Musik ist Kunst, und Kunst ist wichtig und selten. Wichtige, seltene Dinge sind wertvoll. Wertvolle Dinge sollten bezahlt werden.» Der Superstar kehrte 2017 zu Spotify zurück, aber ihre vorübergehende Abwesenheit veranlasst die Branche, einen Schritt zurückzutreten und zu erkennen, wie viel Macht Künstler in der Streaming-geführten Ära wirklich ausüben können.
March 2015
«Tidal» Launch-Event
Jay-Z kaufte für 56 Millionen US-Dollar einen norwegischen Abo-Streaming-Dienst, der als Tidal bekannt war. Der Launch-Event begann mit einer der am meisten Stars besetzten Pressekonferenzen des letzten Jahrzehnts. Jay-Z wurde gemeinsam mit 15 Musikern, darunter Ehefrau Beyoncé sowie Rihanna, Kanye West, Daft Punk, Nicki Minaj, Chris Martin, Calvin Harris, Deadmau5, Jason Aldean, J. Cole, Madonna, Jack White, Arcade Fire, Alicia Keys und Usher, als Miteigentümer der Streaming-Plattform vorgestellt. Dies liess schnell die Kritik aufkommen, dass Tidal eher ein Club für die Musikelite sei, als ein von Künstlern unterstützter Dienst, der unabhängige und kämpfende Musiker fördern würde. Es war der Beginn einer holprigen Reise für den Streaming-Dienst, der seit dem Neustart drei CEOs hatte und damit zu kämpfen hatte, seine bezahlte Abonnentenbasis aufzubauen. Bei der letzten offiziellen Zählung hatte Tidal schätzungsweise 1 Million bezahlte Nutzer, verglichen mit den 50 Millionen des Marktführers Spotify.
June 2015
Taylor Swift's Brief an Apple
Der Launch von Apple Music am 30. Juni wurde von vielen erwartet, und die Entscheidung des Unternehmens, in den ersten drei Monaten kostenlose Testversionen anzubieten, wurde als einfache Möglichkeit angesehen, die Funktionalität des Dienstes bei den Nutzern zu testen. Apples Entscheidung, in diesem Zeitraum keine Tantiemen zu zahlen, hat jedoch den Zorn vieler Menschen auf sich gezogen. Allen voran Taylor Swift, die im Namen ihrer Musikerkollegen einen offenen Brief schrieb, in dem sie diese Entscheidung anprangerte und ankündigte, dass sie ihr Album «1989» nicht über den Dienst veröffentlichen würde. Noch am selben Tag änderte Apple seinen Kurs. Apple versprach, Tantiemen zu zahlen, und schloss eine Partnerschaft mit dem Superstar ab, die zu einer Konzertdokumentation der «1989 World Tour» und einer Reihe von humorvollen Werbespots für den Streaming-Dienst führte.
June 2015
Veröffentlichung von Apple Music
Apple stellte sein lang geplantes Projekt Apple Music vor. Einen Abo-Musik-Streaming-Dienst, der genau das Gleiche macht wie Spotify, wie Tech-Kritiker betonten. Enttäuscht tweetete Daniel Ek, Gründer von Spotify: «Oh ok.» Aber Apples Rivale erwies sich als Hit, da das Unternehmen seine Hardware- und Softwareangebote für die Nutzer geschickt kombinierte und der Welt ausserdem signalisierte, dass die Streaming-Industrie ein Spiel für zwei Spieler sein kann.
June 2015
Apple startet Radiosender
Mit dem Ziel, das Radio für das digitale Zeitalter völlig neu zu gestalten, startete Apple seinen Radiosender «Beats 1» mit Sitz in Los Angeles, New York und London. Moderiert wurde der Sender von den Star-DJ's Zane Lowe, Ebro Darden und Julie Adenuga und sorgte damit für einen grossen Hype und grosses Interesse in der Branche.
February 2016
SFX meldet Konkurs an
Die explosionsartige Zunahme der Popularität von Dance-Musik in den Vereinigten Staaten um die Jahrtausendwende brachte Begeisterung mit sich. Und damit eine Welle neuer Künstler, wobei Robert Sillerman und seine wiedergeborene SFX Entertainment an der Spitze des EDM-Goldrauschs standen. Das Unternehmen verbrachte vier Jahre damit, kleinere Veranstalter und Festivals aufzuschnappen und ein wahres Tanzmusik-Konglomerat mit einem Download-/Streaming-Service und einer Künstlermanagement-Abteilung zu schaffen. Im Oktober 2013 ging das Unternehmen zu einem Preis von 12 Dollar pro Aktie an die Börse und schon zwei Jahre später verblasste das grosse EDM-Geschäft, und der SFX-Traum war ausgeträumt. Die Aktie stand bei 0,05 Dollar, das Unternehmen war insolvent und Sillerman zum Ausstieg gezwungen.
February 2016
Kanye West: Ima fix wolves
Nur wenige Stunden nach der Veröffentlichung seiner LP «The Life of Pablo» erklärte Kanye West, dass er mit dem Album noch nicht ganz fertig sei. Der Track «Wolves» sollte noch ein Update bekommen. Einen Monat später ging West sogar noch einen Schritt weiter, indem er ganze 12 Songs des Albums aktualisierte, hauptsächlich mit Produktions- und Gesangsverbesserungen. Dies zeigte, dass das Konzept der Fertigstellung eines Albums in der Streaming-Ära überholt sein könnte. Oder ist es das Konzept des Albums selbst?
August 2016
Frank Ocean's Doppelschlag
Frank Ocean veröffentlichte sein Album «Endless» exklusiv auf Apple Music. Diese Veröffentlichung erfüllte auch die vertragliche Verpflichtung gegenüber der Universal Music Group. Einen Tag später veröffentlichte er jedoch ein zweites Album «Blonde», nicht exklusiv auf Apple Music, das von Kritikern allgemein als das bessere Album gelobt wurde. Aufgrund der fehlenden Beteiligung des Labels spielte «Blonde» dem Künstler somit einen weitaus grösseren Teil der Tantiemen ein. Darauf reagierte der Vorsitzende von Universal, indem er Streaming-Exklusivangebote bei dem Musikunternehmen sofort verbot. Somit wurde eine Strategie in der Industrie zunichte gemacht, auf die Musik-Labels fast das ganze letzte Jahr über scharf waren.
February 2017
Grammys heissen Streaming-Alben willkommen
Die Recording Academy kündigte an, dass ab sofort auch reine Streaming-Alben für die Grammys zugelassen werden. Chance the Rapper schrieb im nächsten Jahr Grammy-Geschichte, als «Coloring Book» die erste Grammy-gekrönte Platte wird, die keine physischen Kopien verkauft. «Ruhm oder vermeintlicher Erfolg, das kommt alles vom Gruppendenken», sagt einst Chance über seine persönliche Einstellung. Eine Philosophie, die auch für das Regelwerk der Grammys gilt.
August 2017
Gucci Gang erobert SoundCloud
Der zweiminütiger Tune «Gucci Gang» von Lil Pump schaffte es, die perfekte Balance zwischen Unschuld und Respektlosigkeit zu finden. Indem er jeden ansprach, schaffte es «Gucci Gang» innerhalb weniger Monate von einem selbstveröffentlichenden SoundCloud-Rapper zu einem Major-Label-Künstler. Das war ebenso ein Beweis für den Erfolg der DIY-Plattform (Do-it-Yourself) SoundCloud wie für die Goldgräberstimmung in der Branche für neue Rap-Talente.
December 2017
Streaming führende Vertriebsform
Streaming hat in diesem Jahr erstmals mehr Geld für die US- Musikindustrie generiert als alle anderen Vertriebsformen. Das wird bekannt, als die Recording Industry Association of America (RIAA) ihre Zahlen veröffentlichte. Das neue Kräfteverhältnis sorgte bei den traditionellen Musikunternehmen zunächst für viel Kopfzerbrechen, doch die meisten haben ihre Anstrengungen und Budgets entsprechend umverteilt.
April 2018
Spotify geht an die Börse
Sechseinhalb Jahre nachdem das schwedische Unternehmen den Dienst erstmals in den Vereinigten Staaten vorgestellt hatte, wurde Spotify offiziell als börsennotiertes Unternehmen an der New Yorker Börse notiert. Es war ein bedeutendes Ereignis für das Streaming-Ökosystem. So begannen Investoren herauszufinden, was ein reines Streaming-Unternehmen, das noch nie einen Gewinn gemacht hatte und ohne bankgestützten Börsengang an die Börse ging, wirklich wert war. Und obwohl mehrere hochrangige Führungskräfte kurz nach der direkten Börsennotierung das Unternehmen verliessen und der Aktienkurs mit den Launen des Marktes schwankte, blieb das Unternehmen stark und schrieb im dritten Quartal 2019 zum ersten Mal in seiner Geschichte schwarze Zahlen.
June 2018
Drake setzt Streaming-Meilenstein
Das fünfte Studioalbum «Scorpion» des kanadischen Rappers Drake überquert einen Meilenstein. Die Platte wird die erste, die 1 Milliarde Streams in einer einzigen Woche erreichte. Es ist ein Doppelalbum, das aus 25 Tracks besteht. Die erste Scheibe ist hauptsächlich Hip-Hop, während die zweite Scheibe als R&B und Pop beschrieben wurde.
September 2018
Drake stellt Rekord auf
Die R&B-Grösse «Usher» hielt den Rekord für die meisten Wochen auf Platz 1 der Hot-100 in einem Kalenderjahr für fast anderthalb Jahrzehnte. Im Jahr 2018 hat der Superstar und Sänger Drake diesen Rekord jedoch in den Schatten gestellt und sich mit seinen drei Hits «God's Plan», «Nice For What» und «In My Feelings» des «Scorpion»-Albums insgesamt 28 Wochen an der Spitze der Charts gehalten. Dieser Erfolg bestätigte Drake als den bestimmenden Star des ersten Jahrzehnts des Streaming.
November 2019
Mehr als eine Billion Streams in diesem Jahr
Streaming war zu Beginn der 2010er Jahre mit YouTube, das 2005 ins Leben gerufen wurde, als einzigem echten Dienst der sich dieser Idee widmete, noch ein neues Konzept. Im folgenden Jahrzehnt wurde dank Diensten, wie Spotify, Apple Music, SoundCloud und weiteren, klar, dass Streaming das Ökosystem des Musikhörens und das Musikgeschäft im Allgemeinen dominierte. Die Streaming-Einnahmen übertrafen im Jahr 2017 in den USA zum ersten Mal die Einnahmen aus dem Verkauf. Im November 2019 überschritt die Gesamtzahl der Audio- und Videoabrufe in den USA zum ersten Mal die Marke von einer Billion in einem Kalenderjahr. Ein monumentaler Meilenstein, der in ein paar Jahren sicher schon wieder vergessen sein wird.